diekleinefraubraun

  • ausgegraben ein Kriegsdenkmal
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  • diekleinefraubraun präsentiert in der Galerie Kurt im Hirsch die Rauminstallation « ausgegraben ». Zentrales Thema der Arbeit ist die Frage nach der Wahrnehmung von Vergangenheit, der Möglichkeit bzw. Unmöglichkeit Vergangenes und Vergessenes in die Gegenwart, in die lebendige Erinnerung zurückzuholen.

    Auf alten Möbelstücken, Schränken und Tischen sind in Kriegszeiten aufgenommene Porträtfotografien ausgestellt. Die Künstlerin hat sie in alten Fotoalben, auf Flohmärkten und Dachböden gefunden oder sie wurden ihr von Angehörigen überlassen. Die Porträts sind isolierte Momentaufnahmen, das Verbindende sind die historisch bedingten Umstände: Alle Personen wurden zu Kriegszeiten abgelichtet. Einige Bilder stammen aus der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkrieges, andere aus der Zeit der Balkankriege.

    Die Fotografien werden ohne weitere Informationen präsentiert. Eine  eindeutige Unterscheidung zwischen Tätern und Opfern, Angehörigen und Soldaten, Flüchtlingen und Vertriebenen ist nicht möglich. Einige Personen tragen Uniformen, welche zum Teil auf den militärischen Rang schließen lassen, doch die Identität der Person und ihre Lebensgeschichte bleiben verborgen. Diese individuellen Informationen sind im Laufe der Zeit verloren gegangen, allein die historischen Fakten bleiben im kollektiven Gedächtnis. Die individuelle Bedeutung, die  die privaten Aufnahmen für Angehörige und Freunde hatte, ist ohne den persönlichen Bezug im Kontext der Ausstellung nicht mehr nachvollziehbar. Dienten die Bilder zuvor der Erinnerung, so sind sie nun ein Indiz für Erinnerungsverlust.

    Die Künstlerin versteht ihre Arbeit als kollektives Kunstwerk und fortwährenden Prozess. Die Beschaffung der Fotografien, insbesondere aus dem Ausland, ist meist sehr aufwändig und mit langwierigen Recherchen verbunden. Ein Großteil der Aufnahmen wurde der Künstlerin von Angehörigen überlassen. Die Weitergabe der Bilder ist für die Familienmitglieder und Freunde oft nicht einfach und setzt gegenseitiges Verständnis und Vertrauen voraus. Die offensichtlichen Leerstellen sind somit ein wichtiger Bestandteil der gezeigten Installation. Die Arbeit wird laufend durch neue Fotografien ergänzt.

    Neben und auf den Fotografien arrangiert liegen Knöpfe. Sie ähneln oder entsprechen den Knöpfen an der Kleidung der porträtierten Personen. Die Künstlerin sucht sie auf Trödel- und Kleidermärkten, wie auch in Privathaushalten zusammen und ordnet sie dann den einzelnen Fotografien zu. Der Such- und Zuordnungsprozess als Teil der Arbeit bildet den kontemplativen Versuch, sich dem anonymen Porträt zu nähern, die Erinnerung in die Gegenwart zu holen. Die im Nachhinein zugeordneten Knöpfe erscheinen wie letzte Lebensspuren. Sie verweisen zum einen auf die unüberbrückbare Distanz zwischen vergangenem Leben und gegenwärtiger Erinnerung, auf emotionaler Ebene rücken die anonymen Porträts aufgrund des haptischen Bezugs jedoch näher an den Betrachter heran. Die Arbeit stellt damit die grundsätzliche Frage nach der Beziehung von Bild und Zeit, von Erinnerung und Identität.